Willkommens-Kultur für Gehandicapte

Die Golfclubs im Landkreis Dachau wollen sich künftig verstärkt auch für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen öffnen und Behinderten-Beauftragte ernennen.

Golf: Ohne Hektik und gut für die KoordinationSelbst im bundesweiten Vergleich dürfte eine derartige Initiative einzigartig sein: die Golfclubs im Landkreis Dachau haben bei ihrem Treffen zum Thema "Inklusion" beschlossen, sich verstärkt für Menschen mit Behinderungen zu öffnen und diese Gruppe für ihren Sport gewinnen zu wollen.  Dies  ist das Ergebnis eines  Gedankenaustauschs von Spitzenvertretern der Vereine aus Dachau, Eschenried und Gut Häusern. Heinz Mayerhofer, der urlaubsbedingt verhinderte Sportmanager des im Landkreis liegenden Golfclubs München-West in Odelzhausen, hat sich diesem Votum angeschlossen.
Auf Einladung des Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath (CSU) waren die Golfclub-Manager jetzt in der Alten Scheune des Golfparks Gut Häusern zusammengekommen, um erste  Weichen in die neue Richtung zu stellen. Mit am Tisch: Alt-Landrat Hansjörg Christmann, eine Delegation von "Special Olympics Bayern" mit ihrem Vorsitzenden Joachim Kesting  sowie Friedrich Bräuninger, Behinderten-Beauftragter der Bayerischen Medien-Golfer (baymego.de). Dabei waren sich alle Beteiligten einig, dass der Golfsport für Menschen  mit gesundheitlichem Handicap und für Reha-Zwecke immer mehr an Bedeutung gewinne.
Flüssige Schwung-Bewegungen, Rhythmik und Balance, Konzentration und Steigerung des Koordinationsvermögens seien Qualitäten, die den Golfsport auszeichnen - und das alles in freier Natur, schöner Umgebung und ohne jede Hektik. Vielen Menschen sei gar nicht bekannt, dass eine  gewöhnliche Golfrunde rund vier Stunden dauern und eine Strecke von über 10 Kilometern messen kann. Die positiven mentalen und physischen Wirkungen des Spiels mit Schläger und Ball seien durch mehrere  Studien belegt. Jetzt stehe Golf  auch auf der Empfehlungsliste des bayerischen  Behinderten- und Reha-Sportverbandes (BVS-Bayern).
Im GolfPark Gut Häusern beispielsweise habe  es bereits wiederholt sportliche Zusammenarbeit mit der benachbarten Behinderten-Einrichtung des Franziskuswerks Schönbrunn gegeben, berichtete Geschäftsführer Thomas Heitmeier. "Aber das ganze Thema ist sicher noch ausbaufähig". 
"Mit Charity-Schecks allein ist es nicht mehr getan", betonte Ex-Landrat  Hansjörg Christmann, " Wahrnehmung, Image und Akzeptanz der Golfclubs  werden künftig auch davon abhängen, welche Leistungen die Vereine aktiv für diese Menschen entwickeln und anbieten können". In  der Sport,- Sozial, -und Gesellschaftspolitik  des Freistaates Bayern  habe Inklusion, also das gleichberechtigte Miteinander von nicht-behinderten und behinderten Menschen "eine ganz hohe Priorität", unterstrich Bernhard Seidenath, der auch gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist: " Die UN-Behindertenrechtskonvention meint Inklusion umfassend. Deshalb freut es mich sehr zu sehen, was sich bei den Golfern da gerade entwickelt."
Special-Olympics-Chef Kesting gab den Rat, bei diesem Engagement auch gezielt die Vereinsmitglieder zu sensibilisieren, um die gewünschte " Willkommens-Kultur" zu bewirken. Der Dachauer Golfclub-Vizepräsident Christian Reichl ließ in der Diskussion ebenso wie seine Kollegen durchblicken, dass bereits in der kommenden Saison 2015 Behinderten-Beauftragte ernannt werden sollen. Die werden sich dann neben speziellen sportlichen Fragen auch mit dem Thema Trainer-Fortbildung und  Barrierefreiheit für Behinderte zu beschäftigen haben. Hierbei gibt es kostenlose Unterstützung von einer Beratungsstelle der Bayerischen Architektenkammer, auch der Bayerische Golf-Verband steht den Vereinen mit Rat und Tat zur Seite.
Die Golfclubs im Landkreis Dachau jedenfalls haben einen viel versprechenden Anfang gemacht und auf dieser regionalen Ebene in Bayern und darüber hinaus neue Akzente gesetzt.
Text: Friedrich Bräuninger; Foto: Wirtz


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