Christian Mathes holt Bronzemedaille bei Kanu-WM

„The Fight for Gold“ prangte in Duisburg überall auf den Plakaten der Weltmeisterschaften im Kanurennsport. Für Christian Mathes (Regensburg) wurde es der „Fight for Bronce“ – und damit zur größten Überraschung für ihn und das deutsche Team. Niemand hatte dieses Ergebnis für möglich gehalten, auch er selbst nicht. Von Rennen zu Rennen hatte er sich gesteigert, von Rennen zu Rennen seine Bestzeit um über zwei Sekunden übertroffen. Am Ende des Finallaufs schlug er sogar verärgert mit dem Paddel aufs Wasser, denn so wirklich war er nicht mit sich zufrieden. Dann kam die Durchsage: Der 19-jährige Regensburger hatte die Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften im Paracanoeing gewonnen!

Vor lauter Freude blieben ihm die Worte weg: "Überglücklich … ich hatte mir das Finale zum Ziel gesetzt … Start in die Zukunft …" Dieser Erfolg auf der Regattabahn in Duisburg gibt Auftrieb, das ist ganz sicher! Diesen Auftrieb braucht der noch relativ junge Sport "Paracanoeing" (Kanurennsport für Menschen mit Körperbehinderung) auch dringend, um noch populärer zu werden. 2016 ist Paracanoeing eine paralympische Disziplin! Und diesen Auftrieb brauchen vor allem die Sportler, die alle noch relativ neu im "Geschäft" Kanusport sind!
Mit zwei hoffnungsvollen Athleten war Bayern zu den Weltmeisterschaften nach Duisburg gereist: mit Christian Mathes im Einerkajak der Schadensklasse A und mit Stefan Deuschl aus Garmisch-Partenkirchen, der für RP Augsburg startet, im Einerkajak der Schadensklasse TA.
Deuschl wollte hier seinen 8. Platz von den diesjährigen Europameisterschaften überbieten. Mit der persönlichen Bestzeit von 49,134 Sekunden im Vorlauf schien er auf einem guten Weg dahin. Doch im Halbfinale verpatzte er den Start, weitere kleine Fehler summierten sich. Am Ende fehlte ihm nur eine einzige Hundertstel Sekunde für das Weiterkommen ins Finale! Die Enttäuschung war groß … Dass sich die Medien dennoch um den ehemaligen Bundeswehrsoldaten rissen, der bei einem Selbstmordattentat in Afghanistan beide Beine verloren hatte, war nur ein kleiner Trost.
Christian Mathes schien völlig unvorbelastet. Sein erklärtes Ziel war das Erreichen des Finales. Im Vorlauf hatte er das schwerere Rennen erwischt. Der Regensburger schien auf der Strecke verkrampft und ließ noch gut "Luft nach oben" vermuten … Natürlich wollte er weiterkommen, und das wäre ihm im schwächer besetzten zweiten Vorlauf mit der gleichen Zeit von 58.221 Sekunden locker auf direktem Weg gelungen! Doch so blieb nur der fünfte Rang, und der bedeutete die Qualifikation über das Halbfinale.
Die neue Renntaktik ging dann voll auf: Mit einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg in 56.101 Sekunden machte er alles klar fürs Finale! "Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe", freute sich Mathes überglücklich. Die erfolgreiche Renneinteilung wollte er auch im Finale beibehalten - aber irgendwie gelang ihm das nicht, erzählte er danach.
Aufgrund seiner enorm hohen Schlagfrequenz lag er wie immer gleich nach dem Start vorne. Doch der Wechsel in einen längeren Schlag wollte ihm diesmal einfach nicht gelingen. Er konnte nicht anders und zog bis zum Ende der 200 Meter-Strecke durch, obwohl die Luft knapp wurde und die Muskulatur brannte. Irgendwoher bekam er Flügel verliehen ... und bewältigte die 200 m-Strecke zur Bronzemedaille in 53.021 Sekunden!
Es war schon ein sehr besonderer Moment, als Joao Tomasini-Schwertner, Vizepräsident der International Kanu-Föderation, ihn bei der Siegerehrung mit der Bronzemedaille für diese enorme Leistung belohnte …

Christian Mathes hat erst 2011 mit dem Kanusport begonnen, und vorher nie Leistungssport betrieben. Sicher ist er ein großes Talent, das haben seine Trainer und Betreuer (Tine Wilholm, Peter Dietl, Michael Schmidt, Lars Großkopf und Bruno Seidl in der Kooperation von Bayerischem Kanu-Verband und Behinderten- und Rehabilitationssportverband Bayern) schnell erkannt.
Mitte September gilt es für den 19-jährigen Auszubildenden jetzt erst, in Köln den Titel des Deutschen Meisters zu verteidigen. Und dann rückt sein ganz großes Ziel näher: die Paralympics 2016 in Rio de Janeiro, wenn der Kanurennsport zum ersten Mal im paralympischen Programm steht. Wenn er bis dahin so weitertrainiert, muss er nicht einmal den aktuellen Weltmeister fürchten, den Brasilianer Fernandes de Padua. Die zweieinhalb Sekunden, die dieses Mal bis zum Sieg gefehlt haben, macht er bis dahin auch noch wett!

Text und Fotos: Uschi Zimmermann


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