Man lernt nie aus - Zusatzqualifikation beruht auf höchster Kompetenz und Erfahrung

Sie ist deutschlandweit einmalig und auch im Ausland gefragt, die Zusatzqualifikation Behindertensport für Übungsleiter und Trainer Kanusport. Der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern (BVS Bayern) und der Bayerische Kanu-Verband (BKV) haben sie 2012 gemeinsam konzipiert und für die aktuelle Durchführung neu überarbeitet. Inzwischen können beide Verbände und deren Referenten ja auch auf zwei weitere Jahre Praxis zurückgreifen.

Am Ende von zwei Modulen über je ein Wochenende steht ein Zertifikat. "Einen lizenzierten Kanulehrer Behindertensport, mit dem über die Behindertensportvereine abgerechnet werden kann, gibt es noch nicht", erklärte Bruno Seidl, Abteilungsleiter Kanusport im BVS Bayern. Doch er wusste: "Der Verband führt bereits entsprechende Gespräche."
Fragen beantwortet
Der Lehrgang erweiterte die Blickweise und bereits vorhandenes Wissen, so lautete das Fazit aller Teilnehmer, die bis aus Bremen, aber auch aus Österreich ins Leistungszentrum Oberschleißheim angereist waren. Die Referenten gaben zahlreiche Ratschläge und beantworteten viele Fragen, z. B.:
  • WAS ist Behinderung?
  • WIE sind die Verbände verknüpft und wie arbeiten sie?
  • WARUM Öffentlichkeitsarbeit - und WIE?
  • WIE funktioniert der Leistungssport (Paracanoeing)?
  • WAS ist Sicherheit?
  • WORAUF ist zu achten?
  • WELCHES Material ist das richtige?
  • WIE gehe ich auf die unterschiedlichen Einschränkungen und mögliche Krankheitsbilder ein?
Die Referenten wussten alle genau, wovon sie sprachen: Christine Pauligk stellte den Behindertensport und die Arbeit im BVS Bayern vor, Uschi Zimmermann vom Bayerischen Kanuverband (BKV) die Öffentlichkeitsarbeit, deren Regelmäßigkeit auch ausschlaggebend für Erfolg beim Sponsoring sein kann.
Intensiv und innovativ
SicherheitshinweisTine Wilholm (BKV) lagen die Sicherheitsaspekte ganz besonders am Herzen. "Sicherheit beginnt schon bei der Planung", mahnte sie und führte die Teilnehmer durch die Szenarien von Schnuppertag, Trainingsbetrieb und Kanu-Wandertour.
Seit 2010 arbeiten BVS Bayern und BKV gemeinsam intensiv und innovativ im Kanu-Behindertensport. Auch an Lösungen, wie das Material an die körperlichen Einschränkungen perfekt angepasst werden kann. Aus dieser Erfahrung heraus konnten auch die Lehrgangsinhalte zusammengestellt und anhand einer ganzen Reihe von Praxisbeispielen erörtert werden. Das Beispiel eines (nicht bayerischen) Sportlers, der bei einem Rennen mit Zurrgurten im Boot fixiert war, zusätzlich mit einer Spritzdecke "geschützt", und dadurch fast ertrunken wäre, verursachte pures Entsetzen bei den Teilnehmern.
Im Selbstversuch
SelbstversuchLars Groskopf, Landestrainer Kanu im BVS Bayern, hatte Retten und Bergen zum Thema. Dazu gehören auch der verantwortungsvolle Einsatz von Adaptionen und Fixierungen zur Sitzstabilisierung. Diese stellte er am verbandseigenen Material vor der Bootshalle vor. Hier konnten die Teilnehmer auch mit zusammengebundenen Beinen im Selbstversuch ausprobieren, wie ein Querschnittgelähmter in ein Boot kommt bzw. wieder hinaus. Gar nicht so einfach!
Die Achtung vor der Leistung körperbehinderter Sportler stieg noch weiter, als die Lehrgangsteilnehmer die ersten Meter im Sportrollstuhl zurücklegten. Zwei Stunden intensives Üben unter kompetenter Anleitung - und am Sonntag beendeten sie die Rollstuhl-Praxis mit einem Rollstuhlbasketball-Match, bei dem es richtig zur Sache ging.
Bewegungsablauf
Orpheus Mach von der Unfallklinik Murnau mit sportlichem Background "Kanusport" erklärte unter medizinischen und wissenschaftlichen Gesichtspunkten, aber dennoch sehr anschaulich, was eine Querschnittlähmung ist, was den Unterschied zwischen inkomplett und komplett ausmacht und wie sich welches Schädigungsbild auswirkt - auch ganz speziell auf den Bewegungsablauf beim Kanusport. So groß war der Unterschied zwischen Rollstuhlbasketball und Kanusport ja gar nicht!
Jedes Jahr kommen in Deutschland ca. 1.600 Querschnittgelähmte hinzu - meistens durch Unfall oder Krankheit - eine erschreckende Zahl! Die Arbeit in der Unfallklinik Murnau bestätigt u. a. das Ziel des Behindertensports: Mobilität, Aktivität und Selbstständigkeit über den Sport hinaus zu steigern.
In den Sportler hineinfühlen
Dazu gehört neben dem Breiten-, Rehabilitations- und Inklusionssport auch der Leistungssport. Parakanu und das Training zur Spitze stellte Lars Groskopf vor. Es geht dabei darum, sich in den Sportler mit Handicap hineinzufühlen. Nur so kann sein Leistungspotenzial erkannt und verbessert werden.
Da waren auch diejenigen Teilnehmer hellwach, die hier eigentlich "nur" ihre Übungsleiter-Lizenz verlängern wollten, unabhängig, ob sie aus dem Kanurennsport oder aus dem Kanuslalom kamen. Parallelen fanden sich immer wieder.
Großen Einblick
Aber auch die Teilnehmer, die schon bei der Anmeldung zum Lehrgang eine Arbeit mit Menschen mit Behinderung in ihrem eigenen Verein zum Ziel hatten, erhielten an diesem ersten Wochenende großen Einblick in ihr evtl. neues Betätigungsfeld.
Im zweiten Modul im Januar werden dann Projekte vorgestellt, die bereits erfolgreich durchgeführt werden. Außerdem wird auf die Themen "Kanusport mit Menschen mit geistiger Behinderung", "Sport mit sehbehinderten Menschen" sowie "Multiple Sklerose und Sport" eingegangen - genauso praxisnah und auf bereits gemachten Erfahrungen beruhend wie beim ersten Modul.
Text & Fotos: BKV


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