Interview mit Josef Neumaier zum Kooperationsvertrag der Schützen

Am 4. Februar 2014 unterzeichneten der Bayerische Sportschützenbund (BSSB), der Oberpfälzer Schützenbund (OSB), der Pate und Schirmherr Joachim Herrmann, Bayerns Staatsminister des Innern, und der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern (BVS Bayern) eine Kooperationsvereinbarung. Wie Josef Neumaier dazu steht, verrät er uns hier.

Josef, Du bist Schütze, daher interessiert uns, wie Du zu der Kooperationsvereinbarung zwischen BSSB, OSB und BVS Bayern vom 4. Februar 2014 stehst.
Aber vorab ein paar allgemeinere Fragen:
Schießen bedeutet ja Bogenschießen oder Sportschießen, was machst Du genau?

Ich betreibe das Sportschießen mit dem Luftgewehr (10m Entfernung) und dem Kleinkalibergewehr (50m). Ursprünglich habe ich aber mit dem Bogenschießen begonnen. Da hatte ich jedoch in meiner Gegend zu wenige Trainingsmöglichkeiten, um mich weiter zu entwickeln. Die Folge war, dass ich mich in meinem Heimatort Altötting den Huberwirtschützen Oberholzhausen anschloss. Mein BVS Bayern-Verein ist jedoch SV Wacker Burghausen, da es dort neben der Behindertensport-Abteilung auch die Sparte Sportschießen gibt, wo ich hauptsächlich mit dem Kleinkalibergewehr trainiere.

Was zeichnet Deiner Meinung nach Schießen als Sport aus?
Neben der mentalen Stärke und Konzentration sind auch im Schießsport Kraft und vor allem Ausdauer erforderlich. Mein Luftgewehr wiegt 5,5 kg und das Kleinkalibergewehr 6,5 kg. Bei Disziplinen mit 60 bzw. 120 Wettkampfschüssen muss man schon eine gute Kondition mitbringen.
Nach einem Gutachten der Sporthochschule Köln aus dem Jahr 2010 können Schützen im Rollstuhl mit internationaler Klassifizierung (SH1) gemeinsam mit nicht-behinderten Schützen in einer Mannschaft schießen. In diesem Gutachten wurde festgestellt, dass sitzende Schützen keinen Vorteil gegenüber stehenden Schützen haben. Aus diesem Grund habe ich zwei Jahre bei der Bundesligamannschaft der Schützengilde Waldkraiburg mitgeschossen und war dort Stammschütze.
Sportschießen ist somit eine der wenigen Sportarten, wo man gemeinsam mit Nicht-Behinderten in einer Mannschaft starten kann. Somit hat man hat die Möglichkeit, sich mit nationalen und internationalen Spitzenschützen zu messen. 
Lachender Josef Neumaier
Welches sind Deine größten Erfolge?
Zu meinen größten Erfolgen zählen zweifellos meine 5 Paralympics-Teilnahmen seit 1996 mit insgesamt  1x Gold, 2x Silber und zuletzt Bronze 2012 in London.
2x Weltmeister (1998 und 2010) mit den Luftgewehr und 1x Weltmeister mit dem Kleinkalibergewehr (1998). Aktuell halte ich den Qualifikations-Weltrekord im Luftgewehr (WC Antalya 2013).
Einen Rückblick zur EM 2013 gibt es hier nachzulesen.

Wie häufig trainierst Du und wo?
Ich trainiere ca. 3x in der Woche am Schießstand mit dem Gewehr. Zusätzlich kommt noch Ausdauertraining mit dem Handbike, Gymnastik, und mentales Training dazu. Die Trainingsumfänge und -inhalte variieren natürlich zwischen Vorbereitungs- und Wettkampfphasen.
Meine Trainingsorte sind hauptsächlich in Burghausen und Oberholzhausen (Landkreis AÖ). Ich trainiere auch regelmäßig auf der Olympiaschießanlage in Garching/Hochbrück, wo dieses Jahr die Deutsche Meisterschaft Ende August ausgetragen wird.

Kommen wir nun zum "Eingemachten": Was sagst Du zu der Kooperationsvereinbarung?
Diese Kooperationsvereinbarung ist ein wichtiger Schritt zur Eingliederung der Disziplinen des Behindertensports in die Fachbereiche. Aber es sollte noch etwas intensiver mit dem BSSB zusammengearbeitet werden, insbesondere der Lehrgänge.
Eigentlich schade, dass von den bayerischen Nationalkaderschützen keiner offiziell zu der Vertragsunterzeichnung eingeladen war. Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, mit den Vertretern aus Politik und Gesellschaft in Kontakt zu kommen.
 
Was erwartest Du von der Vereinbarung?
Aus der Vereinbarung ist mir bekannt, dass künftig körperbehinderte Schützinnen und Schützen die Disziplinen des Behindertensports in den Vereinen des BSSB und OSB schießen können. Damit geht die fachliche Begleitung im Bereich Bayern auf den BSSB und den OSB über. Darüber hinaus wäre es wichtig, auch die Trainingsmaßnahmen mit dem Bayernkader der Schützen durchzuführen. Und wenn das gemeinsam nicht möglich sein sollte, dann jedoch unter der Leitung eines BSSB-Trainers. 

Welche Änderungen wird es geben?
Nachdem die BVS Bayern-Disziplinen schon seit ca. 15 Jahren während der Bayerischen des BSSB stattfinden, wird es vorerst nur mal andere Startkarten zur Bayerischen geben.
Ich hoffe, dass es nicht nur bei den Meisterschaften bleibt. Es müsste eine Kaderstruktur aufgebaut werden, evtl. auch Bezirkskader.  Und wie vorhin beschrieben, sollten Lehrgänge ebenfalls unter dem Dach des BSSB  durchgeführt werden.
Ziel müsste es sein, dass das Sportschießen zu einer Schwerpunktsportart im Leistungskonzept des BVS Bayern wird, dass auch die finanzielle Förderung einsetzt.
In der Vergangenheit haben ja die Bayerischen Paralympic-Sportschützen doch einige Medaillen gewonnen und eine Vielzahl an Finalplätzen erreicht. Jedoch oftmals als "Einzelkämpfer".
 
Hier ist noch Platz für eine An- oder Bemerkung
An Potential Bayerischer Sportschützinnen und Schützen mit Behinderung fehlt es nicht.
Vielen Dank für den Einblick, Sepp!


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