Golf durch Inklusion auf dem Vormarsch

Die 1. Internationale Bayerische Meisterschaft war ein voller Erfolg für die Organisatoren und Sportler/innen! Ein uns sehr bekanntes und glückliches Gesicht unter ihnen: der 14jährige Maxi Jäger findet neben Kanu und Ski fahren nun auch Golf cool.

Die wirklich wichtigen Dinge eines Wettkampfs spielen sich manchmal nicht bei der Siegerehrung, sondern eher am Rande des Geschehens ab. Ende August 2014: Bei ihrem 1. Internationalen Behinderten-Golfturnier in Maria Bildhausen hatten sich die Gastgeber vom Bayerischen Golfverband (BGV) und der Hypovereinsbank (HVB) noch kurz vor dem Start entschlossen, die Aschheimer Trainerin Elizabeth Höh zu engagieren und auf der Übungswiese einen Schnupperkurs für all diejenigen anzubieten, die mit diesem Sport noch etwas fremdeln und es nun genauer wissen wollten. Extra deswegen war die Familie Jäger mit ihren drei Kindern aus Bad Brückenau angereist. Maxi beim GolfenMaxi (14), der Älteste, sollte den Reiz des Spiels mit Schläger und Ball einmal erleben und dann entscheiden, ob er sich neben dem Ski- und Kanufahren noch eine dritte Säule seines jungen Sportlerlebens vorstellen könnte. Er holte aus, schwang durch und beförderte - unter feinfühliger Anleitung der Trainerin - schon bei dieser Premiere die Bälle auf Höhenflug. Der Newcomer ("cool, das macht ja richtig Laune") hatte sich mit dem berühmten Golfvirus infiziert und wollte mit den Übungen auch am nächsten Tag gar nicht mehr aufhören.
Was diese Kurzgeschichte so berichtenswert macht: Maximilian Jäger ist durch einen vorgeburtlichen Schlaganfall seit dem ersten Tag seines Lebens halbseitig gelähmt. Seine komplette linke Körperhälfte funktioniert faktisch nicht. Aber sein Faible für den Sport gibt ihm wohl die Kraft, die Dinge des Alltags mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein, mit viel Energie und Cleverness zu meistern. "Mein großes Ziel sind die paralympischen Winterspiele 2018 in Korea, wo ich in den Disziplinen Slalom und Riesenslalom eine Medaille gewinnen will", gibt der Youngster zu Protokoll. Und was ist mit der neu entdeckten Sportart?
Bis Golf ins paralympische Programm aufgenommen wird, dürften noch ein paar Jahre vergehen. Zu uneinig sind sich bis dato die internationalen Verbände über die Festlegung der Behinderten-Klassen und der Spiel-Modalitäten. Dabei zeigten gerade die 1. HVB Internationalen Bayerischen Meisterschaften für Golferinnen/Golfer mit gesundheitlichem Handicap, wie entspannt und zugleich spannend ein solches zweitägiges Turnier - eine Premiere wie bei Maxi - verlaufen kann.
Was mit Golf möglich ist, demonstrierte beispielsweise der in Paris lebende Spieler Manuel de Los Santos, der bei einem Motorrad-Unfall sein linkes Bein verloren hatte und sich konsequent mit Krücken zum jeweils nächsten Schlag auf einem mehrere Kilometer langen Platz fortbewegt. Mit 61 Bruttopunkten gewann er mit weitem Abstand die Wertung in seiner Klasse und würde ohne weiteres bei so manchem Profi-Turnier vorne landen. Oder zum Beispiel Konrad Czoppik aus Landau an der Isar. In reifem Alter und erst nach Eintritt der Behinderung hatte er mit dem Golfspielen aus medizinisch-therapeutischen Gründen begonnen. Heute liegt sein Vorgabewert bei 14, einem Handicap, vom dem die meisten "normalen" Golfer nur träumen können. Oder der aus Bern angereiste Schweizer Heinz Schönemann. Er fährt in einem speziellen Golf-Rollstuhl, kann nur den rechten Art hinreichend bewegen und trifft dennoch den kleinen weißen Ball mit einer Präzision, die seinen zwei Mitspielern immer wieder ein anerkennendes "Super" entlockt.
Insgesamt spielten in Maria Bildhausen 46 behinderte Golferinnen und Golfer aus neun Ländern. Ein GdB (Grad der Behinderung) von 50 Prozent galt als Mindestvoraussetzung für die Teilnahme. In der fränkischen Rhön wurde gewissermaßen auch eine Blaupause geliefert, wie Inklusions-Turniere in den über 180 bayerischen Golfclubs funktionieren können. Emilia Müller, zuständige bayerische Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration im Kabinett von Horst Seehofer, brachte es in ihrem Grußwort auf den Punkt. Ein solches Turnier leiste einen "unschätzbaren Beitrag dafür, dass Behinderung als ein Teil der Vielfalt menschlichen Lebens wahrgenommen wird." Dies helfe den Betroffenen, Vertrauen in die eigenen Stärken zu gewinnen, gebe ihnen Motivation, Kraft und Energie und fördere das Gefühl von Zugehörigkeit und gleichberechtigter Teilhabe.
Eine gute Übersetzung des Fachbegriffs "Inklusion", der die Golfclubs und ihre Manager in den kommenden Jahren zu Spitzenleistungen á la Maria Bildhausen herausfordern dürfte.
Text: Friedrich Bräuninger
Einen weiteren Eindruck in die 1. IBM gibt dieser Artikel.

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