Gincana 2026 - Inklusiver Tag der offenen Tür
Erfahrungsbericht zur inklusiven Sportveranstaltung des Capoeira Kampfkunst Würzburg e. V.
1. Ausgangslage und Zielsetzung
Capoeira ist eine brasilianische Kampfkunst, die Bewegung, Akrobatik, Musik, Rhythmus und gemeinsames Spiel miteinander verbindet. Im Mittelpunkt steht nicht der Sieg einer einzelnen Person, sondern der körperliche und musikalische Dialog zwischen den Spielenden. Bewegungen können an unterschiedliche Fähigkeiten und individuelle Bewegungsspielräume angepasst werden. Dadurch bietet Capoeira gute Voraussetzungen für gemeinsames Sporttreiben von Menschen mit unterschiedlichen körperlichen, motorischen und kognitiven Voraussetzungen.
Ziel der Veranstaltung war es, Menschen mit und ohne Behinderung einen niedrigschwelligen Zugang zur Capoeira zu ermöglichen. Die Teilnehmenden sollten die unterschiedlichen Bestandteile der Capoeira kennenlernen, gemeinsam in heterogenen Gruppen aktiv werden und erste positive Erfahrungen mit einem inklusiven Sportangebot sammeln. Gleichzeitig sollte Interesse an einer weiteren Teilnahme am inklusiven Trainingsangebot des Vereins geweckt werden.
Die vom BVS Bayern geförderte Veranstaltung „Gincana 2026 – Inklusiver Tag der offenen Tür“ fand am 26. Juli 2026 von 10 bis 14 Uhr in der barrierefreien Sporthalle der Mönchbergschule in Würzburg statt. Veranstalter war der Capoeira Kampfkunst Würzburg e.V.
2. Vorbereitung und Öffentlichkeitsarbeit
Die Veranstaltung wurde über verschiedene persönliche und institutionelle Netzwerke beworben. Im Rahmen des bestehenden inklusiven Trainings baten wir die Sportler*innen und ihre Angehörigen, in ihren persönlichen Netzwerken auf den Tag der offenen Tür aufmerksam zu machen.
Zusätzlich informierten wir die Lebenshilfe Würzburg und das Freizeitprogramm für Menschen mit Behinderung über die Veranstaltung. Für den Tag der offenen Tür wurden eigene Flyer und Plakate gestaltet. Diese wurden unter anderem beim 14. Würzburger Gesundheitstag am Vereinsstand des Capoeira Kampfkunst Würzburg e. V. verteilt. Dort konnten Interessierte persönlich über die Veranstaltung, den geplanten Ablauf und das inklusive Angebot informiert werden.
Die Verbindung aus persönlicher Ansprache, bestehenden Kontakten und öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen trug dazu bei, sowohl Menschen mit Capoeira-Erfahrung als auch neue Interessierte mit und ohne Behinderung zu erreichen.
3. Teilnehmende und Betreuung
Am inklusiven Tag der offenen Tür nahmen insgesamt 40 Personen im Alter von sechs bis 68 Jahren teil. 22 Personen und damit ca. 55 Prozent der Teilnehmenden hatten zuvor noch keine Erfahrung mit Capoeira.
Unter den 40 Teilnehmenden waren 13 Menschen mit unterschiedlichen kognitiven oder motorischen Voraussetzungen, darunter sieben Personen mit Trisomie 21. Der Anteil der Teilnehmenden mit Behinderung lag damit bei ca. 33 Prozent.
Die Veranstaltung wurde von Kursleiter Naoufel Hafsa geleitet. Die sportlichen Einheiten wurden von Naoufel Hafsa und Annika Kreikenbohm als lizenzierten Übungsleiter*innen angeleitet. Weitere Stationen zu Musik und zu den geschichtlichen Hintergründen der Capoeira wurden von erfahrenen Vereinsmitgliedern und unterstützenden Personen mit Vorerfahrung in den jeweiligen Bereichen betreut.
Das Veranstaltungskonzept sah ausdrücklich vor, dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam in heterogenen Gruppen trainierten. Die Teilnehmenden wurden dafür in kleinere Gruppen eingeteilt und während des Stationsbetriebs von Assistenzen begleitet. Diese unterstützten bei der Orientierung, erklärten Aufgaben bei Bedarf erneut und gaben Hilfestellung bei einzelnen Übungen. Bewegungen und Aufgaben konnten entsprechend der individuellen Fähigkeiten angepasst werden.
Dadurch war es möglich, dass sich alle Teilnehmenden entsprechend ihrer persönlichen Voraussetzungen aktiv an den Stationen beteiligten.
4. Ablauf der Veranstaltung
Die Veranstaltung begann um 10 Uhr mit der Anmeldung. Alle Teilnehmenden erhielten ein kostenloses Veranstaltungsarmband und fanden sich anschließend gemeinsam in der Sporthalle ein.
Zu Beginn begrüßte Naoufel Hafsa die Teilnehmenden und stellte den Ablauf des Tages vor. Als gemeinsamer Einstieg wurde Capoeira-Musik gespielt und gesungen. Dadurch konnten sich die Teilnehmenden kennenlernen und bereits zu Beginn erleben, dass Musik, Rhythmus und gemeinschaftliche Aktivität zentrale Bestandteile der Capoeira sind. Anschließend wurden die Teilnehmenden in kleinere Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe durchlief vier unterschiedliche Stationen:
Bewegung
An der Bewegungsstation lernten die Teilnehmenden grundlegende Bewegungsformen der Capoeira kennen. Die Übungen wurden so vermittelt, dass unterschiedliche Bewegungsspielräume und individuelle Fähigkeiten berücksichtigt werden konnten.
Akrobatik
An der Akrobatikstation konnten die Teilnehmenden verschiedene Übungen auf Turnmatten ausprobieren. Dabei standen nicht sportliche Höchstleistungen, sondern Bewegungserfahrung, gegenseitige Unterstützung und das Erproben der eigenen Möglichkeiten im Mittelpunkt.
Musik und Rhythmus
An der Musikstation lernten die Teilnehmenden typische Instrumente und Rhythmen der Capoeira kennen. Sie konnten selbst musizieren.
Geschichte der Capoeira
Eine weitere Station beschäftigte sich mit der Entstehung und der gesellschaftlichen Bedeutung der Capoeira. Die Inhalte wurden anschaulich und altersgerecht von einer Lehrkraft aus dem Verein vermittelt. Dabei wurde deutlich, dass Capoeira eng mit der Geschichte von Unterdrückung, Widerstand, Gemeinschaft und kultureller Selbstbehauptung in Brasilien verbunden ist.
Abschluss
Nach dem Stationsbetrieb kamen alle Gruppen wieder in der Sporthalle zusammen. Den Abschluss bildete eine gemeinsame Roda, der traditionelle Kreis der Capoeira. Darin spielten die Teilnehmenden gemeinsam Capoeira, machten Musik und sangen. Erfahrene Capoeira-Spieler*innen zeigten außerdem weiterführende Bewegungen und Spielformen.
Während der Veranstaltung standen Wasser und kleine Snacks zur Verfügung. Dies war insbesondere aufgrund der hohen Temperaturen am Veranstaltungstag wichtig.
5. Inklusive Umsetzung
Ein wesentliches Ziel der Veranstaltung war es, kein getrenntes Angebot für Menschen mit und ohne Behinderung zu schaffen. Stattdessen nahmen alle Personen gemeinsam an denselben Stationen und Aktivitäten teil.
Die inklusive Umsetzung wurde insbesondere durch folgende Maßnahmen unterstützt:
- Nutzung einer barrierefreien Sportstätte
- Einteilung in kleinere, heterogene Gruppen
- Begleitung der Gruppen durch Assistenzen
- verständliche und bei Bedarf wiederholte Erklärungen
- individuelle Anpassung von Bewegungsaufgaben
- gemeinsamer Beginn und gemeinsamer Abschluss der Veranstaltung
Die unterschiedlichen Stationen ermöglichten verschiedene Formen der Beteiligung. Teilnehmende konnten sich je nach Interesse und persönlichen Voraussetzungen über Bewegung, Musik, Rhythmus, gemeinsames Spiel oder geschichtliche Inhalte einbringen.
Die Förderung durch den BVS Bayern unterstützte die Umsetzung dieses inklusiven Veranstaltungskonzepts und trug dazu bei, den Teilnehmenden eine begleitete und niedrigschwellige Teilnahme zu ermöglichen.
6. Ergebnisse und Zielerreichung
Mit insgesamt 40 Teilnehmenden wurde eine altersgemischte Gruppe aus Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erreicht. Besonders positiv war, dass die Hälfte der Teilnehmenden zuvor noch keine Erfahrung mit Capoeira hatte. Damit konnte die Veranstaltung auch Menschen ansprechen, die bislang keinen Zugang zu dieser Sportart hatten.
13 Menschen mit Behinderung nahmen gemeinsam mit Menschen ohne Behinderung an allen Bestandteilen der Veranstaltung teil. Das zentrale Ziel, gemeinsames Sporttreiben in heterogenen Gruppen zu ermöglichen, wurde damit erreicht.
Die persönlichen und mündlichen Rückmeldungen der Teilnehmenden an die Übungsleitung und den Vorstand waren sehr positiv. Besonders häufig wurden die gemeinschaftliche, offene und fröhliche Atmosphäre sowie das gemeinsame Erleben von Bewegung und Musik hervorgehoben.
Viele der 22 Teilnehmenden ohne Capoeira-Vorerfahrung (ca. die Hälfte) äußerte Interesse daran, das inklusive Trainingsangebot des Vereins weiter kennenzulernen. Dieses Interesse wurde sowohl von Menschen mit als auch von Menschen ohne Behinderung geäußert. Auch die beteiligten Vereinsmitglieder und erfahrenen Capoeira-Spieler*innen bewerteten das gemeinsame Veranstaltungsformat positiv.
Die Rückmeldungen wurden im Rahmen persönlicher Gespräche während und nach der Veranstaltung erfasst. Eine standardisierte schriftliche Befragung fand nicht statt.
7. Erkenntnisse und Ausblick
Die Veranstaltung hat gezeigt, dass Capoeira aufgrund der Verbindung von Bewegung, Musik, Rhythmus, Kultur und gemeinschaftlichem Spiel vielfältige Zugänge für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen bietet.
Als besonders hilfreich erwiesen sich die Arbeit in kleineren Gruppen und die kontinuierliche Begleitung durch Assistenzen. Dadurch konnten Erklärungen, Übungen und Hilfestellungen an individuelle Unterstützungsbedarfe angepasst werden. Zugleich blieb der gemeinsame Charakter der Veranstaltung erhalten.
Das Interesse von Teilnehmenden ohne bisherige Capoeira-Erfahrung zeigt, dass ein inklusiver Tag der offenen Tür dazu beitragen kann, neue Personen an regelmäßige Vereinsangebote heranzuführen. Interessierte wurden über das bestehende inklusive Trainingsangebot des Vereins informiert.
Der Capoeira Kampfkunst Würzburg e. V. möchte seine inklusiven Aktivitäten weiterführen und das gemeinsame Training von Menschen mit und ohne Behinderung weiterentwickeln. Die Erfahrungen aus der Veranstaltung sollen dabei in die Planung zukünftiger Trainings- und Veranstaltungsformate einfließen.
8. Fazit
Der inklusive Tag der offenen Tür ermöglichte 40 Menschen im Alter von sechs bis 68 Jahren, Capoeira gemeinsam kennenzulernen. 13 Teilnehmende waren Menschen mit Behinderung, und 22 Personen verfügten noch über keine Capoeira-Vorerfahrung.
Durch die barrierefreie Sportstätte, die heterogenen Kleingruppen, die Begleitung durch Assistenzen und die Anpassung der Übungen an individuelle Voraussetzungen konnten alle Teilnehmenden aktiv einbezogen werden.
Die positive Resonanz und das geäußerte Interesse am bestehenden inklusiven Training zeigen, dass die Veranstaltung sowohl einen niedrigschwelligen Erstkontakt mit Capoeira als auch Begegnung und gemeinsames Sporttreiben von Menschen mit und ohne Behinderung ermöglicht hat.
Der Capoeira Kampfkunst Würzburg e. V. bedankt sich beim BVS Bayern für die Förderung und Unterstützung der Veranstaltung.