Rollstuhlmobilität
Stadttraining für Kinder und Jugendliche in Nürnberg

Gruppe Rollstuhlfahrender bespricht sich

Eine kleine, feine Gruppe rollstuhlfahrender Kinder und Jugendliche traf sich am 20.06.2026 zum Stadttraining am Nürnberger Hauptbahnhof. Auch die Eltern saßen auf Augenhöhe. Jeder in einem passenden Rollstuhl, bereit, Neues zu lernen und die Realität des eigenen Kindes nachzuempfinden.

Die Luft im Reifen wurde geprüft, die richtige Sitzposition eingenommen, das Stampfen geübt — erste Schritte, die Bewegung zu spüren und zu kontrollieren. Nach den ersten 50m überquerten wir die Straße und die Eltern bekamen einen unmittelbaren Eindruck davon, wie komplex das Alltagsleben eines Rollstuhlfahrenden ist. An der Bordsteinkante stieg der Puls: Autos von rechts, Fahrradfahrer von links, Fußgänger hinter einem, wartende Linienbusse in der Nähe. „Was muss ich beachten, um sicher vom Bürgersteig auf die Fahrbahn zu kommen?“ Der Weg war nicht glatt: Bordsteinkante, Regenrinne, ein kaum merkbarer, aber spürbarer Anstieg der Straße. Verkehrsbeachtung, Beschleunigung, Abbremsen, erneute Regenrinne, die Vorderräder ankippen — nicht gegen den Bordstein fahren, sondern drauf fahren. Geschafft — Puh, erhöhter Puls, doch mit der Erkenntnis: Schnell schnell ist nicht gleich sicher und kontrolliert. Und die Notwendigkeit eines angeleiteten Trainings war Groß wie Klein schnell klar. Bordsteine rauf und sicher runter fahren wurde intensiv geübt. Mit erlernter Technik ließ sich so einiges leichter schaffen.

Und wie im Alltag passierten kurz darauf unvorhergesehene Dinge: Ein Platten! Also Reifenwechsel bei 30 Grad im Schatten. Dabei wurde besprochen, welches Notfallequipment ein Rollstuhlfahrender immer dabei haben sollte.

Frisch bereift machten wir uns auf, um mit den Öffentlichen zu fahren. Auf dem Weg dahin war für alle das bewusste Überqueren einer Ampelkreuzung eine gute Erfahrung sowie das gerade Überfahren der Bahnschienen. An der Straßenbahnhaltestelle wurden Fragen diskutiert: Wie steigt man als Gruppe ein, wo stellt man sich in der Bahn hin, wie steigt man kontrolliert wieder aus? Mit Unterstützung und klarer Anleitung der Begleitpersonen funktionierte es bestens.

Zurück am Nürnberger Hauptbahnhof belohnten sich alle mit einem Eis. Erschöpft, aber voller neuer Erkenntnisse und mit unzähligen geübten Kleinigkeiten reflektierten wir einen gelungenen Nachmittag. Der rege Gedankenaustausch zeigte, dass durch ein Rollstuhlmobilitätstraining viel Sicherheit und Selbstvertrauen gewonnen werden kann.

Fazit: Das Training stärkt Praxiskompetenz, Vertrauen in das eigene Können und Verständnis – für Eltern und Kinder gleichermaßen.


Die Veranstaltung wird aus Mittel des Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.

Logo: Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales

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